Zecken bei Hunden und Katzen

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Zecken sind nicht nur lästig, sondern können für Hunde und Katzen auch ernsthafte gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Als blutsaugende Parasiten übertragen sie gefährliche Krankheiten wie Borreliose, Anaplasmose oder Babesiose, die bei unseren Haustieren teils schwere Verläufe nehmen können. Besonders tückisch daran ist, dass die Tiere oft erst spät Symptome zeigen, was eine rechtzeitige Behandlung erschwert. Der klassische Zeckenbefall konzentriert sich auf die wärmeren Monate zwischen Frühjahr und Herbst. Doch durch milde Winter und klimatische Veränderungen sind Zecken mittlerweile fast ganzjährig aktiv. Damit steigt das Risiko für Hund und Katze, sich beim Spaziergang, beim Streunen im Garten oder auf der Lieblingswiese einen ungebetenen Blutsauger einzufangen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig zu wissen, wie man Zecken erkennt, entfernt und am besten gleich.

Zecken richtig entfernen

Hat sich eine Zecke bei Ihrem Hund oder Ihrer Katze festgebissen, ist schnelles und richtiges Handeln gefragt. Denn je länger die Zecke saugt, desto höher ist das Risiko, dass Krankheitserreger übertragen werden. Mit dem passenden Werkzeug und ein wenig Vorsicht gelingt die Entfernung sicher und stressfrei für Tier und Mensch.

Anleitung

Für die Entfernung eignen sich spezielle Hilfsmittel wie eine Zeckenzange, Zeckenkarte oder Zeckenhaken, die in Apotheken oder Tierarztpraxen erhältlich sind.

So funktioniert es:

  1. Ruhe bewahren und das Tier möglichst fixieren. Im Idealfall zu zweit.

  2. Die Zecke möglichst hautnah mit der Zange oder Karte fassen. Dabei die Zecke nicht quetschen!

  3. Die Zecke langsam und gerade herausziehen oder vorsichtig aus der Haut heraushebeln. Nicht drehen!

  4. Nach dem Entfernen die Stelle desinfizieren (z. B. mit Wundspray oder mildem Alkohol).

  5. Die Zecke sicher entsorgen, z. B. in einem verschlossenen Behälter oder mit Klebeband.

Was Sie vermeiden sollten

Bitte verwenden Sie niemals Hausmittel wie:

  • Öl

  • Nagellack

  • Klebstoff

  • Alkohol direkt auf der Zecke

Diese Mittel reizen die Zecke und können dazu führen, dass sie Speichel oder Darminhalt (mit Krankheitserregern) in die Wunde abgibt. Das kann das Infektionsrisiko erheblich erhöhen.

Nach der Entfernung

Auch nach erfolgreicher Entfernung sollte die Einstichstelle über mehrere Tage regelmäßig kontrolliert werden. Beobachten Sie ob es zu Rötung, Schwellung oder Krustenbildung kommt und ob das Tier Fieber oder Appetitlosigkeit hat, oder ungewöhnliches Verhalten an den Tag legt. In solchen Fällen ist ein Tierarztbesuch ratsam, um eine Infektion oder Zeckenkrankheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Gefahren durch Zeckenstiche

Neben lokalen Hautreaktionen können Zecken gefährliche Krankheitserreger übertragen, die unbehandelt schwerwiegende Folgen haben können.

Bei Hunden

Borreliose (Lyme-Borreliose)

Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht, das in Mitteleuropa vor allem durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen wird.

Die Übertragung erfolgt durch den Stich einer infizierten Zecke. In der Regel dauert es mindestens 12-24 Stunden, bis die Erreger vom Zeckendarm in die Blutbahn des Tieres gelangen.

Symptome:

  • Fieber

  • Appetitlosigkeit

  • Gelenkschmerzen und wechselnde Lahmheiten

  • Teilweise Lymphknotenschwellungen

  • Allgemeine Mattigkeit

Die Symptome können Wochen nach dem Stich auftreten und verlaufen oft schubweise. Unbehandelt kann Borreliose chronisch werden und dauerhafte Gelenkschäden verursachen. Eine Hautrötung wie beim Menschen (Wanderröte) tritt bei Tieren in der Regel nicht auf.

Anaplasmose

Verursacht wird die Erkrankung durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, das weiße Blutkörperchen befällt. Auch Anaplasma platys, das Blutplättchen befällt, kann relevant sein. Wie bei der Borreliose ist auch bei der Anaplasmose der Gemeine Holzbock der Hauptüberträger. Die Übertragung erfolgt durch den Saugvorgang infizierter Zecken.

Symptome:

  • Fieber

  • Schwäche, Müdigkeit

  • Lahmheit

  • Blutergüsse oder Nasenbluten (bei A. Platys)

  • Vergrößerte Lymphknoten oder Milz

Die Krankheit kann akut oder chronisch verlaufen und ist häufig schwer zu diagnostizieren, da die Symptome unspezifisch sind. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist entscheidend.

Babesiose (Hundemalaria)

Ausgelöst wird die Krankheit durch einzellige Parasiten der Gattung Babesia, insbesondere Babesia canis. Sie zerstören die roten Blutkörperchen. Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ist der Hauptüberträger. Die Übertragung erfolgt meist innerhalb von 24-48 Stunden nach dem Stich.

Symptome:

  • Hohes Fieber

  • Schwäche, Bewegungsunlust

  • Dunkel gefärbter Urin (durch Blutfarbstoff)

  • Blasse Schleimhäute

  • Appetitlosigkeit

  • Gelbsucht (bei schweren Verläufen)

Babesiose kann unbehandelt innerhalb weniger Tage tödlich verlaufen. Eine schnelle tierärztliche Behandlung ist deshalb unerlässlich.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME wird durch das FSME-Virus (ein Flavivirus) ausgelöst, das das zentrale Nervensystem befällt. Auch hier ist der Gemeine Holzbock Hauptüberträger. Die Virusübertragung erfolgt häufig bereits kurz nach dem Stich, da sich die Viren in den Speicheldrüsen der Zecke befinden.

Symptome:

  • Fieber

  • Verhaltensänderungen

  • Krampfanfälle

  • Lähmungen

  • Koordinationsstörungen

Bei Katzen

Ehrlichiose

Ehrlichiose wird durch das Bakterium Ehrlichia canis verursacht, das bestimmte weiße Blutkörperchen (Monozyten) befällt. Es gehört zur Gruppe der Rickettsien-ähnlichen Organismen. Die Übertragung erfolgt durch den Stich der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Diese Zeckenart ist wärmeliebend und in Mitteleuropa vor allem in warmen Sommern oder in beheizten Räumen (z. B. Hundezwingern) aktiv.

Symptome:

Akute Phase:

  • Fieber

  • Appetitlosigkeit

  • Lethargie

  • Nasenbluten oder Blutergüsse (aufgrund verminderter Blutplättchen)

  • Augenentzündungen (Konjunktivitis, Uveitis)

Chronische Phase:

  • Abmagerung

  • Blutarmut

  • Schwäche

  • Gelegentlich neurologische Symptome

Hepatozoonose

Hepatozoonose wird durch einzellige Parasiten der Gattung Hepatozoon verursacht (beim Hund v. a. Hepatozoon canis). Anders als bei anderen Zeckenkrankheiten erfolgt die Infektion nicht durch einen Zeckenstich, sondern durch das Verschlucken einer infizierten Zecke (z. B. beim Beknabbern oder Putzen). Die Übertragung erfolgt durch das Fressen einer infizierten Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Die Parasiten gelangen über den Verdauungstrakt in den Körper und befallen verschiedene Organe, vor allem Leber, Muskeln und Knochenmark.

Symptome:

  • Fieber

  • Muskelschmerzen, Lahmheit

  • Schwäche, Abmagerung

  • Augen- oder Nasenausfluss

  • Blutarmut

  • Vergrößerte Lymphknoten oder Milz

Die Diagnose erfolgt meist durch Blutausstriche oder molekulare Tests. Eine vollständige Heilung ist schwierig und es kommt häufig zu Rückfällen. Ziel der Behandlung ist daher oft eine langfristige Kontrolle der Symptome.

Bei Hunden und Katzen

Lokale Hautreaktionen

Zeckenstiche können zu Hautentzündungen führen, die sich durch Rötung, Schwellung und Juckreiz bemerkbar machen. In einigen Fällen entwickeln sich Abszesse, die schmerzhaft sein können und tierärztlich behandelt werden sollten.

Blutverlust bei starkem Befall

Ein massiver Zeckenbefall kann insbesondere bei jungen oder kleinen Tieren zu erheblichem Blutverlust führen, was in schweren Fällen eine Anämie zur Folge haben kann.

Vorbeugung und Schutzmaßnahmen

Um Hunde und Katzen wirksam vor Zecken zu schützen, ist eine Kombination aus tiermedizinischen Präparaten, Umweltpflege und regelmäßiger Kontrolle entscheidend.

Denn je früher Zecken entdeckt und entfernt werden, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung.

Tiermedizinische Schutzmittel

Zu den gängigsten und wirksamsten Schutzmaßnahmen zählen:

Spot-on-Präparate

Diese werden im Nacken aufgetragen und verteilen sich über die Haut. Sie wirken je nach Produkt abwehrend oder abtötend auf Zecken und halten meist mehrere Wochen.

Zeckenhalsbänder

Diese geben kontinuierlich Wirkstoffe ab, die Zecken abwehren oder abtöten. Die Schutzdauer kann je nach Halsband bis zu acht Monate betragen.

Tabletten Sie werden oral verabreicht und wirken systemisch.

Zecken sterben, sobald sie das Tier beißen. Vorteil: Kein Wirkstoff auf Haut oder Fell.

Sprays Sofortige, aber eher kurzzeitige Wirkung.

Besonders für punktuellen Schutz (z. B. vor einem Ausflug ins hohe Gras) geeignet.

Natürliche Mittel

Es gibt auch eine Vielzahl an pflanzlichen oder alternativen Präparaten. Diese sind beispielsweise auf Basis von Kokosöl, Schwarzkümmelöl oder bestimmten ätherischen Ölen. Ihre Wirksamkeit ist allerdings wissenschaftlich nicht eindeutig belegt und kann stark variieren. Besonders bei Katzen ist Vorsicht geboten, da viele ätherische Öle für sie giftig sind. Eine Absprache mit dem Tierarzt ist daher unerlässlich.

Umweltkontrolle

Auch das häusliche Umfeld spielt eine wichtige Rolle im Zeckenschutz. Zecken fühlen sich in hohem Gras, dichter Vegetation und feuchten Ecken besonders wohl. Regelmäßige Gartenpflege hilft, die Zeckendichte zu verringern:

  • Rasen kurz halten

  • Laub, Holzstapel und Gestrüpp entfernen

  • Wege freischneiden

  • Aufenthaltsorte der Tiere möglichst zeckenarm gestalten

Regelmäßige Kontrolle

Nach jedem Spaziergang sollten Hund und Freigängerkatze gründlich auf Zecken abgesucht werden. Beliebte Bissstellen sind:

  • Kopfbereich (Ohren, Schnauze)

  • Hals

  • Achseln und Leistengegend

  • Zwischen den Zehen

Wird eine Zecke entdeckt, sollte sie schnell und korrekt entfernt werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Wann zum Tierarzt?

Ein einzelner Zeckenbiss verläuft meist harmlos, kann in manchen Fällen aber ernsthafte Folgen haben. Zecken können Krankheitserreger übertragen oder lokale Entzündungen hervorrufen. Deshalb ist es wichtig, auf bestimmte Warnzeichen zu achten und bei Bedarf rechtzeitig den Tierarzt aufzusuchen.

Anzeichen für eine Infektion oder Krankheit

Zecken übertragen gefährliche Erreger wie Borrelien, Babesien oder Anaplasmen. Eine Infektion zeigt sich oft erst Tage bis Wochen nach dem Stich. Typische Symptome bei Hund oder Katze sind: - Fieber oder Apathie - Appetitlosigkeit - Lahmheit oder steifer Gang - Schwellungen an Gelenken oder Lymphknoten - Blasse Schleimhäute oder dunkler Urin Diese Anzeichen können auf eine durch Zecken übertragene Krankheit hinweisen und sollten umgehend tierärztlich abgeklärt werden.

Eingewachsene oder entzündete Zecken

Manchmal bleibt ein Teil der Zecke wie z.B. der Stechrüssel in der Haut zurück. Dies kann zu einer lokalen Entzündung, Schwellung oder gar Abszessbildung führen. Auch Zecken, die sich tief eingegraben haben oder schwer zu entfernen sind, sollten vom Tierarzt professionell entfernt werden, um weitere Schäden zu vermeiden.

Auffälliges Verhalten nach einem Zeckenbiss

Achten Sie nach einem Zeckenstich auf ungewöhnliches Verhalten Ihres Tieres: - Es wirkt abgeschlagen oder zieht sich zurück - Es reagiert empfindlich auf Berührungen - Es kratzt oder leckt übermäßig an der Bissstelle - Es zeigt plötzlich Angst, Unruhe oder Nervosität Solche Veränderungen können Anzeichen für Schmerzen, eine Infektion oder sogar neurologische Symptome bei schwerwiegenderen Erkrankungen wie FSME sein.