Milz-Tumor beim Hund

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Milztumoren zählen zu den häufigsten Neoplasien im Bauchraum des Hundes. Die Milz ist ein Organ, das häufig unterschätzt wird, obwohl es wichtige Funktionen im Organismus erfüllt. Tumoren der Milz treten insbesondere bei älteren Hunden auf und können sowohl gutartig als auch bösartig sein. Die Diagnose erfolgt oft erst spät, da viele betroffene Hunde über längere Zeit keine oder nur unspezifische Symptome zeigen. Für Hundebesitzer ist es daher wichtig, die Risikofaktoren, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten zu kennen, um im Ernstfall schnell handeln zu können.

Anatomie und Funktion der Milz

Die Milz ist ein längliches, dunkelrotes Organ, das sich im vorderen Bereich des Bauchraums befindet und an der großen Magenkurvatur sowie am Zwerchfell befestigt ist. Beim Hund weist die Milz eine besondere anatomische Flexibilität auf, was bedeutet, dass ihre genaue Position variieren kann. Das Organ besteht aus zwei hauptsächlichen Gewebetypen: der roten Pulpa, die für die Blutspeicherung und den Abbau alter Blutzellen verantwortlich ist, und der weißen Pulpa, die wichtige immunologische Funktionen erfüllt. Die physiologischen Aufgaben der Milz sind vielfältig und für den Organismus von erheblicher Bedeutung. Als Blutspeicher kann die Milz des Hundes bis zu einem Drittel der gesamten Erythrozytenmasse aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Kreislaufsystem abgeben. Diese Funktion ist besonders in Stresssituationen oder bei körperlicher Anstrengung wichtig. Darüber hinaus filtert die Milz alte oder beschädigte Blutzellen aus dem Blutkreislauf und baut diese ab. Im Rahmen der Immunabwehr produziert die weiße Pulpa Lymphozyten und Antikörper, wodurch die Milz eine zentrale Rolle in der Bekämpfung von Infektionen spielt.

Beim Hund ist die Milz im Vergleich zu anderen Säugetieren besonders groß und kann erhebliche Mengen an Blut speichern. Diese Besonderheit macht das Organ jedoch auch anfällig für bestimmte Erkrankungen, insbesondere für Blutungen und tumoröse Veränderungen. Die starke Durchblutung und die Fähigkeit zur schnellen Größenveränderung erklären auch, warum Verletzungen oder Rupturen der Milz zu lebensbedrohlichen Blutungen führen können.

Arten von Milztumoren

Milztumoren lassen sich grundsätzlich in benigne und maligne Neoplasien unterteilen, wobei beide Formen beim Hund vorkommen können. Zu den gutartigen Veränderungen zählen insbesondere Hämatome, die durch Blutansammlungen in der Milz entstehen und oft nach Traumata oder spontan auftreten. Hämangiome sind ebenfalls gutartige Gefäßtumoren, die aus den Blutgefäßen der Milz entstehen und meist langsam wachsen. Weitere gutartige Neubildungen können Lipome, Fibrome oder hyperplastische Knoten sein, die in der Regel keine unmittelbare Gefahr darstellen. Die bösartigen Milztumoren sind deutlich problematischer und haben eine schlechtere Prognose. Das Hämangiosarkom ist der häufigste maligne Tumor der Milz beim Hund und entsteht aus den Endothelzellen der Blutgefäße. Dieser hochgradig aggressive Tumor neigt zur Metastasierung und kann spontan rupturieren, was zu massiven inneren Blutungen führt. Lymphome können ebenfalls die Milz befallen, entweder primär oder im Rahmen einer systemischen Erkrankung. Mastzelltumore, Fibrosarkome und andere Sarkome treten seltener auf, sind aber ebenfalls als bösartige Neoplasien zu betrachten.

Eine weitere Kategorie bilden die metastatischen Tumoren, bei denen die Milz von Krebszellen aus anderen Organen befallen wird. Dies kommt vor allem bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen vor, wenn sich Metastasen über den Blutweg in der stark durchbluteten Milz ansiedeln. Die Unterscheidung zwischen gutartigen und bösartigen Tumoren ist klinisch von größter Bedeutung, lässt sich jedoch oft erst nach der chirurgischen Entfernung und histopathologischen Untersuchung definitiv treffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Milztumoren beim Hund sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere bekannte Risikofaktoren, die das Auftreten dieser Erkrankung begünstigen. Das Alter spielt eine entscheidende Rolle, denn Milztumoren treten überwiegend bei älteren Hunden auf, typischerweise im Alter zwischen acht und zwölf Jahren. Dies deutet darauf hin, dass kumulative zelluläre Schäden und altersbedingte Veränderungen im Gewebe zur Tumorentstehung beitragen. Bestimmte Hunderassen zeigen zudem eine deutliche Prädisposition für Milztumoren, insbesondere für das Hämangiosarkom. Zu den besonders gefährdeten Rassen gehören der Deutsche Schäferhund, Golden Retriever, Labrador Retriever, Boxer und Berner Sennenhund. Diese Rasseprädisposition legt nahe, dass genetische Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Forschungen haben gezeigt, dass bei diesen Rassen möglicherweise bestimmte genetische Mutationen vorliegen, die die Entstehung von Gefäßtumoren begünstigen.

Die Größe des Hundes scheint ebenfalls ein Risikofaktor zu sein, da große und sehr große Rassen statistisch häufiger betroffen sind als kleine Hunde. Dies könnte mit der absoluten Größe der Milz und der damit verbundenen größeren Anzahl an Zellen zusammenhängen, die potenziell entarten können. Umweltfaktoren wie Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien oder Strahlung werden als mögliche Ursachen diskutiert, sind aber bisher nicht eindeutig belegt. Chronische Entzündungen und wiederholte Traumata der Milz könnten ebenfalls zur Tumorentstehung beitragen, wobei auch hier die wissenschaftliche Evidenz begrenzt ist.

Klinische Symptome

Die klinischen Symptome bei Milztumoren sind äußerst variabel und hängen stark vom Stadium der Erkrankung, der Art des Tumors und dem Vorhandensein von Komplikationen ab. Viele Hunde mit Milztumoren zeigen über längere Zeit überhaupt keine Symptome, und die Diagnose erfolgt zufällig bei Routineuntersuchungen oder bildgebenden Verfahren aus anderen Gründen. Diese asymptomatische Phase kann Wochen bis Monate andauern, was die Früherkennung erheblich erschwert. Chronische, unspezifische Symptome entwickeln sich häufig schleichend und werden von Besitzern oft zunächst nicht als bedenklich wahrgenommen. Betroffene Hunde zeigen möglicherweise zunehmende Lethargie und Schwäche, was sich in verminderter Aktivität und erhöhtem Ruhebedürfnis äußert. Der Appetit kann nachlassen, was zu allmählichem Gewichtsverlust führt. Manche Hunde entwickeln einen aufgetriebenen Bauch, der durch die vergrößerte Milz oder Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum bedingt sein kann. Gelegentlich berichten Besitzer von wiederkehrenden Phasen der Schwäche oder kurzzeitigen Kollapsanfällen, die sich spontan wieder bessern.

Die akuten Symptome treten vor allem bei einer Ruptur des Milztumors auf und stellen einen lebensbedrohlichen Notfall dar. Wenn ein Tumor in der Milz reißt, kommt es zu massiven inneren Blutungen in die Bauchhöhle. Die betroffenen Hunde zeigen plötzlich auftretende schwere Schwäche bis hin zum Kollaps, die Schleimhäute werden blass oder sogar weiß, und die Hunde können Anzeichen von Schock entwickeln. Der Bauch kann sich schnell mit Blut füllen und gespannt wirken. Weitere Symptome können beschleunigte Atmung, erhöhte Herzfrequenz, schwacher Puls und kalte Extremitäten sein. Manche Hunde zeigen auch Anzeichen von Schmerzen, was sich durch Hecheln, Unruhe oder eine gekrümmte Körperhaltung äußern kann.

Bei fortgeschrittenen malignen Erkrankungen können zusätzliche Symptome auftreten, die durch Metastasen in anderen Organen bedingt sind. Wenn das Hämangiosarkom beispielsweise in die Lunge metastasiert hat, können Atembeschwerden und Husten hinzukommen. Metastasen in der Leber können zu Gelbsucht führen, und eine Beteiligung des Herzens kann Herzrhythmusstörungen verursachen. Einige Hunde entwickeln auch Blutungsneigungen an anderen Körperstellen, was sich in spontanen Hämatomen, Nasenbluten oder verlängerten Blutungen nach kleinen Verletzungen zeigen kann.

Diagnostik

Die Diagnose eines Milztumors erfordert eine systematische Herangehensweise, die mit einer gründlichen klinischen Untersuchung beginnt. Bei der Anamneseerhebung erfragt der Tierarzt detailliert die Krankengeschichte, das Auftreten und die Entwicklung der Symptome sowie eventuelle Vorerkrankungen. Die körperliche Untersuchung umfasst die Beurteilung des Allgemeinzustands, die Überprüfung der Schleimhautfarbe, die Herzauskultation und vor allem die Palpation des Abdomens. Bei vielen betroffenen Hunden kann eine vergrößerte Milz oder eine Umfangsvermehrung im vorderen Bauchbereich ertastet werden, allerdings ist dies nicht immer möglich, insbesondere bei tiefsitzenden Tumoren oder übergewichtigen Hunden. Die bildgebenden Verfahren spielen eine zentrale Rolle in der Diagnostik von Milztumoren. Die Ultraschalluntersuchung des Abdomens ist oft der erste und wichtigste diagnostische Schritt, da sie eine nicht-invasive Darstellung der Milz und ihrer Struktur ermöglicht. Im Ultraschall können Tumoren, Blutansammlungen und Veränderungen der Milzarchitektur sichtbar gemacht werden. Zusätzlich kann freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle, die auf eine Blutung hindeutet, erkannt werden. Röntgenaufnahmen des Thorax und des Abdomens werden durchgeführt, um die Größe und Position der Milz zu beurteilen und um nach Metastasen in der Lunge oder anderen Organen zu suchen. Die Computertomographie bietet eine noch detailliertere Darstellung und ist besonders wertvoll für das Staging bei malignen Tumoren, um das Ausmaß der Erkrankung genau zu bestimmen. Die Labordiagnostik liefert wichtige Informationen über den Gesundheitszustand des Hundes und kann Hinweise auf die Art der Erkrankung geben. Ein vollständiges Blutbild zeigt oft eine Anämie, die durch chronische Blutungen oder akuten Blutverlust verursacht sein kann. Manchmal finden sich atypische Zellen oder Fragmentozyten im Blutausstrich, die auf einen Milztumor hindeuten können. Die Gerinnungsparameter sollten ebenfalls überprüft werden, da Milztumoren zu Gerinnungsstörungen führen können, die perioperativ relevant sind. Biochemische Parameter geben Aufschluss über die Funktion anderer Organe wie Leber und Nieren.

Die definitive Diagnose der Tumorart kann in vielen Fällen erst nach der chirurgischen Entfernung der Milz und der anschließenden histopathologischen Untersuchung gestellt werden. Eine Feinnadelaspiration oder Biopsie vor der Operation wird kontrovers diskutiert, da sie das Risiko einer Tumorruptur und lebensbedrohlicher Blutungen birgt. In einigen Fällen kann sie jedoch sinnvoll sein, um die Therapieplanung zu unterstützen. Das Staging bei vermuteten malignen Tumoren umfasst zusätzliche Untersuchungen wie Thorax-Röntgen in mehreren Ebenen, abdominale Lymphknotenbeurteilung und gegebenenfalls eine Echokardiographie, um Herzmetastasen beim Hämangiosarkom auszuschließen.

Differentialdiagnosen

Bei der Diagnostik eines Milztumors müssen verschiedene Differentialdiagnosen in Betracht gezogen werden, da nicht jede Milzvergrößerung oder Umfangsvermehrung zwingend auf einen Tumor hinweist. Eine Splenomegalie, also die Vergrößerung der Milz, kann durch verschiedene andere Ursachen bedingt sein. Infektiöse Erkrankungen wie Ehrlichiose, Babesiose oder Leishmaniose können zu einer reaktiven Milzvergrößerung führen. Ebenso können systemische Erkrankungen wie Lebererkrankungen oder Herzinsuffizienz eine Stauungsmilz verursachen, bei der sich das Blut in der Milz ansammelt. Hämatologische Erkrankungen müssen ebenfalls ausgeschlossen werden. Die extramedullare Hämatopoese, bei der die Milz als Ort der Blutbildung reaktiviert wird, kann zu einer deutlichen Vergrößerung führen. Autoimmune hämolytische Anämien gehen oft mit einer Splenomegalie einher, da die Milz vermehrt alte Blutzellen abbaut. Nodulare Hyperplasie ist eine gutartige Veränderung, bei der sich knotige Verdickungen in der Milz bilden, die bildgebend schwer von Tumoren zu unterscheiden sein können. Andere abdominale Massen müssen differentialdiagnostisch erwogen werden, wenn die genaue Lokalisation einer Umfangsvermehrung nicht eindeutig ist. Lebertumoren, Pankreastumoren oder vergrößerte abdominale Lymphknoten können klinisch ähnliche Symptome verursachen. Gerinnungsstörungen verschiedener Ursachen können zu spontanen Blutungen in die Bauchhöhle führen, ohne dass zwingend ein Tumor vorliegen muss. Eine Torsion der Milz, bei der sich das Organ um seine eigene Achse dreht, ist selten, kann aber akute Symptome verursachen, die einem rupturierten Milztumor ähneln.

Therapieoptionen

Die Behandlung von Milztumoren hängt stark von der klinischen Situation, dem Allgemeinzustand des Hundes und der Art des Tumors ab. Die chirurgische Entfernung der Milz, die sogenannte Splenektomie, ist in den meisten Fällen die Therapie der Wahl. Bei gutartigen Tumoren führt die vollständige Entfernung der Milz in der Regel zur Heilung, während bei malignen Tumoren die Operation häufig mit weiteren Therapiemaßnahmen kombiniert werden muss. Die Splenektomie kann als totale Entfernung des gesamten Organs oder in seltenen Fällen als partielle Resektion durchgeführt werden, wenn nur ein Teil der Milz betroffen ist und eine Erhaltung von Milzgewebe sinnvoll erscheint. In Notfallsituationen, wenn ein Milztumor rupturiert ist und massive Blutungen auftreten, steht die Stabilisierung des Patienten an erster Stelle. Dies umfasst die intravenöse Flüssigkeitstherapie, Bluttransfusionen bei schwerem Blutverlust und die schnellstmögliche chirurgische Versorgung. Die Notoperation erfolgt oft ohne vorherige definitive Diagnose, da das Leben des Hundes unmittelbar gefährdet ist. In solchen Fällen wird die Milz entfernt und anschließend histopathologisch untersucht, um die weitere Therapieplanung zu ermöglichen.

Bei malignen Tumoren, insbesondere beim Hämangiosarkom, kann nach der chirurgischen Entfernung eine Chemotherapie erwogen werden. Die Chemotherapie zielt darauf ab, eventuell bereits vorhandene Mikrometastasen zu bekämpfen und das progressionsfreie Überleben zu verlängern. Verschiedene Chemotherapieprotokolle kommen zum Einsatz, wobei Doxorubicin-basierte Schemata am häufigsten verwendet werden. Die Entscheidung für eine Chemotherapie sollte individuell getroffen werden, unter Berücksichtigung des Alters des Hundes, des Allgemeinzustands, eventueller Vorerkrankungen und der Bereitschaft des Besitzers, die Behandlung durchzuführen. Die Chemotherapie kann die Lebensqualität beeinträchtigen und ist mit Nebenwirkungen verbunden, die sorgfältig gegen den potenziellen Nutzen abgewogen werden müssen. Palliativbehandlungen kommen in Betracht, wenn eine kurative Therapie nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Dies kann bei sehr alten oder geschwächten Hunden der Fall sein oder wenn bereits ausgedehnte Metastasen vorliegen. Die palliative Behandlung konzentriert sich auf die Erhaltung der Lebensqualität und die Linderung von Symptomen. Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und supportive Maßnahmen wie Ernährungsunterstützung können eingesetzt werden. In manchen Fällen kann auch eine palliative Strahlentherapie zur lokalen Tumorkontrolle erwogen werden.

Die supportive Therapie spielt während des gesamten Behandlungsverlaufs eine wichtige Rolle. Dies umfasst die Überwachung der Vitalparameter, die Unterstützung der Organfunktionen, die Prophylaxe und Behandlung von Infektionen und die Schmerztherapie. Nach einer Splenektomie müssen Hunde engmaschig überwacht werden, um postoperative Komplikationen wie Nachblutungen, Infektionen oder Thromboembolien frühzeitig zu erkennen. Die Ernährung sollte angepasst werden, und bei Bedarf können immunmodulierende Substanzen oder Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden, um die Rekonvaleszenz zu unterstützen.

Prognose

Die Prognose bei Milztumoren variiert erheblich und hängt hauptsächlich von der Art des Tumors ab. Bei gutartigen Veränderungen wie Hämatomen, Hämangiomen oder nodularer Hyperplasie ist die Prognose nach vollständiger chirurgischer Entfernung ausgezeichnet. Die meisten Hunde erholen sich vollständig und haben eine normale Lebenserwartung. Es gibt in der Regel kein Rezidivrisiko, und die Hunde benötigen nach der Rekonvaleszenzphase keine weitere spezifische Behandlung. Die Situation ist bei malignen Tumoren deutlich ernster. Das Hämangiosarkom hat leider eine sehr schlechte Prognose, selbst wenn es frühzeitig erkannt und aggressiv behandelt wird. Nach alleiniger chirurgischer Entfernung der Milz liegt die mediane Überlebenszeit bei etwa zwei bis drei Monaten, da die meisten Hunde bereits zum Zeitpunkt der Diagnose Mikrometastasen haben, die bildgebend noch nicht nachweisbar sind. Diese Mikrometastasen entwickeln sich im Verlauf zu manifesten Metastasen, die meist in Leber, Lunge oder Herz auftreten und schließlich zum Tod des Tieres führen. Durch die Kombination von Chirurgie und Chemotherapie kann die Überlebenszeit beim Hämangiosarkom auf durchschnittlich fünf bis sieben Monate verlängert werden. In Einzelfällen erreichen einige Hunde auch ein Jahr oder länger, aber Langzeitüberlebende sind selten. Neuere Therapieansätze, die immuntherapeutische Komponenten einbeziehen, zeigen in Studien vielversprechende Ergebnisse, sind aber noch nicht flächendeckend verfügbar. Faktoren, die die Prognose zusätzlich beeinflussen, sind das Vorhandensein von Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnose, Tumorruptur mit Blutungen, die Größe des Tumors und das Ansprechen auf die Chemotherapie.

Bei anderen malignen Tumoren wie Lymphomen kann die Prognose besser sein, insbesondere wenn eine systemische Chemotherapie durchgeführt wird. Mastzelltumore der Milz haben eine variable Prognose, die vom Malignitätsgrad abhängt. Niedriggradige Mastzelltumore können nach Splenektomie eine gute Prognose haben, während hochgradige Formen mit einer schlechteren Prognose verbunden sind. Metastatische Tumoren in der Milz deuten auf eine fortgeschrittene Krebserkrankung hin, und die Prognose richtet sich nach dem Primärtumor. Prognostische Faktoren, die bei der Einschätzung der individuellen Prognose berücksichtigt werden sollten, umfassen neben der Tumorart auch den Allgemeinzustand des Hundes, das Alter, das Vorhandensein von Begleiterkrankungen und die Anämietiefe. Hunde, die zum Zeitpunkt der Diagnose bereits anämisch sind oder Anzeichen von Metastasen aufweisen, haben tendenziell eine schlechtere Prognose. Die Bereitschaft und Möglichkeit des Besitzers, intensive Behandlungen durchzuführen, beeinflusst ebenfalls das Outcome.

Nachsorge und Lebensqualität

Nach der Splenektomie ist eine sorgfältige postoperative Betreuung entscheidend für die Genesung des Hundes. In den ersten Tagen nach der Operation muss der Hund engmaschig überwacht werden, um Komplikationen wie Nachblutungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen frühzeitig zu erkennen. Die Schmerzkontrolle ist essentiell und sollte durch eine adäquate Schmerzmedikation gewährleistet werden. Viele Hunde können bereits wenige Tage nach der Operation die Klinik verlassen, benötigen aber zu Hause Ruhe und eine eingeschränkte Aktivität für etwa zwei bis drei Wochen. Die Anpassung des Alltags nach einer Splenektomie erfordert einige Überlegungen, wobei die meisten Hunde ein erstaunlich normales Leben führen können. Da die Milz wichtige immunologische Funktionen hat, sind Hunde nach ihrer Entfernung theoretisch anfälliger für bestimmte Infektionen, insbesondere durch bekapselte Bakterien. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die meisten Hunde keine erhöhte Infektanfälligkeit entwickeln, da andere Organe des Immunsystems die Funktionen teilweise kompensieren können. Dennoch sollten Besitzer auf Anzeichen von Infektionen achten und bei Fieber, Lethargie oder anderen Krankheitssymptomen zeitnah tierärztlichen Rat einholen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind insbesondere bei malignen Tumoren von größter Bedeutung. In den ersten Monaten nach der Operation sollten engmaschige Kontrollen durchgeführt werden, die typischerweise alle vier bis sechs Wochen stattfinden. Diese Kontrollen umfassen klinische Untersuchungen, Blutbildkontrollen und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgenaufnahmen des Thorax, um Metastasen oder Rezidive frühzeitig zu erkennen. Wenn Chemotherapie durchgeführt wird, sind zusätzliche Kontrollen während der Behandlungsphase notwendig, um die Verträglichkeit zu überwachen und die Dosierung gegebenenfalls anzupassen.

Die Lebensqualität der Hunde nach Splenektomie ist in den meisten Fällen gut, besonders wenn der Tumor gutartig war. Viele Hunde erholen sich schnell und zeigen bald wieder normales Verhalten und normale Aktivität. Bei malignen Tumoren hängt die Lebensqualität stark vom Fortschreiten der Erkrankung und den Nebenwirkungen der Chemotherapie ab. Es ist wichtig, dass Besitzer ein gutes Gespür für den Zustand ihres Hundes entwickeln und die Lebensqualität regelmäßig objektiv bewerten. Kriterien wie Appetit, Aktivitätslevel, Interaktion mit der Familie und das Vorhandensein von Schmerzen sollten berücksichtigt werden.

Die Ernährung spielt eine unterstützende Rolle in der Rekonvaleszenz und Nachsorge. Eine hochwertige, leicht verdauliche Diät kann die Genesung fördern. Bei Hunden, die eine Chemotherapie erhalten, kann der Appetit schwanken, und es müssen möglicherweise verschiedene Futterarten ausprobiert werden. Nahrungsergänzungsmittel, die das Immunsystem unterstützen oder entzündungshemmende Eigenschaften haben, werden von manchen Tierärzten empfohlen, wobei die wissenschaftliche Evidenz für ihre Wirksamkeit begrenzt ist.

Prävention und Früherkennung

Die Möglichkeiten der Prävention von Milztumoren beim Hund sind leider sehr begrenzt, da die genauen Ursachen der Tumorentstehung nicht vollständig verstanden sind. Es gibt keine bekannten Maßnahmen, die das Risiko für die Entwicklung eines Milztumors signifikant reduzieren könnten. Bei Rassen mit bekannter Prädisposition für Hämangiosarkome wäre eine genetische Testung theoretisch wünschenswert, ist aber derzeit noch nicht verfügbar oder nicht ausreichend validiert.

Die Früherkennung ist daher der wichtigste Ansatz, um die Prognose zu verbessern. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen, idealerweise mindestens einmal jährlich bei gesunden Hunden und häufiger bei älteren Tieren oder Risikohunden, ermöglichen die frühzeitige Entdeckung von Veränderungen. Bei Routineuntersuchungen sollte immer eine gründliche Palpation des Abdomens durchgeführt werden, um Vergrößerungen der Milz zu ertasten. Bei Hunden ab einem Alter von acht Jahren und insbesondere bei prädisponierten Rassen kann erwogen werden, jährliche Ultraschalluntersuchungen des Abdomens durchzuführen, um Milzveränderungen frühzeitig zu erkennen, bevor Symptome auftreten. Hundebesitzer sollten für unspezifische Symptome wie zunehmende Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust sensibilisiert werden und diese ernst nehmen, insbesondere bei älteren Hunden. Eine rasche Abklärung solcher Symptome kann im Falle eines Milztumors entscheidend sein. Ebenso sollten Besitzer über die Anzeichen eines akuten Notfalls aufgeklärt werden, damit sie bei plötzlich auftretender Schwäche, Kollaps oder blassen Schleimhäuten sofort tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Die Grenzen der Prävention müssen realistisch kommuniziert werden. Trotz bester Vorsorge und regelmäßiger Kontrollen können Milztumoren entstehen und werden manchmal erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt. Dies liegt in der Natur der Erkrankung und sollte nicht als Versäumnis des Besitzers oder des Tierarztes gewertet werden. Dennoch bietet eine aufmerksame Beobachtung des Hundes und eine gute tierärztliche Betreuung die besten Chancen für eine frühzeitige Diagnose und Behandlung.